Projekt Blumenwiese
Kleine Fläche - grosse Wirkung für unsere heimische Artenvielfalt
Mit dem Projekt «Blumenwiese» werden kleine Flächen im Garten, auf dem Balkon oder im Siedlungsraum zu wertvollen Lebensräumen für Insekten und Spinnentiere. Die Samenmischungen mit ausgewählten einheimischen Wildblumen vom Amt für Umwelt sorgen vom Frühling bis in den Herbst für ein vielfältiges Blütenangebot. So kann schon eine kleine Fläche einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität leisten.
Blumenwiese, Balkonkiste oder Pflanzentrog
Ob Blumenwiese, Balkonkiste oder Pflanztrog: Solche Flächen sind nicht nur schön, sondern bieten Nahrung, Struktur und Lebensraum – genau dort, wo dies heute oft fehlt. Gleichzeitig setzt das Projekt auf die bewusste Wahl geeigneter Pflanzen. Einheimische Wildblumen fördern heimische Bestäuber und bieten die Möglichkeit, problematische gebietsfremde Arten, auch invasive Neophyten genannt, im Garten zu ersetzten.
Flyer mit Samensäckchen
Die Flyer «Heimische Helden statt Neophyten» und «Von der Rasen-Wüste zum vielfältigen Insekten-Buffet» liegen zusammen mit Samensäckchen zum Anlegen einer eigenen Blumenwiese beim Amt für Umwelt sowie an Veranstaltungen des Amts auf.
Wie ist die aktuelle Situation?
Liechtenstein hat auf kleiner Fläche eine erstaunlich grosse Vielfalt an Lebensräumen.
Trotz hoher Vielfalt steht die Biodiversität unter Druck. Zu den wichtigsten Ursachen gehören die Zersiedelung, die Zerschneidung von Lebensräumen, der Klimawandel, die Intensivierung der Landwirtschaft und invasive Arten.
Der Siedlungsraum ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gewachsen. 2019 lag die Siedlungsfläche bei 1’821 ha und machte 11,3 % der Landesfläche aus. 1984 waren es noch 1’259 ha. Das entspricht einem Zuwachs von 562 ha beziehungsweise 44,6 %. Gleichzeitig gingen landwirtschaftliche Flächen zurück.
In Liechtenstein werden zudem rund 100 Neophytenarten vermutet. 20 davon gelten als invasiv und sind bereits problematisch oder haben ein entsprechendes Schadenspotenzial.
Viele Bestäuber stehen unter Druck. In der Schweiz wurden 615 Bienenarten bewertet. 279 Arten – also fast die Hälfte – stehen auf der Roten Liste. In Liechtenstein wurden bisher über 230 Wildbienenarten nachgewiesen. Das zeigt: Die Vielfalt ist gross, aber sie ist nicht selbstverständlich.
Weltweit hängt zudem ein grosser Teil unseres Ökosystems von Bestäubern ab: Mehr als 75 % der wichtigsten Nahrungspflanzen und fast 90 % der wild blühenden Pflanzen sind zumindest teilweise auf tierische Bestäubung angewiesen.
Wie stark Insekten unter Druck geraten können, zeigt auch eine viel zitierte Langzeitstudie aus Deutschland: In Schutzgebieten sank die Biomasse fliegender Insekten über 27 Jahre saisonal um 76 %, im Hochsommer sogar um 82 %. Diese Zahl stammt nicht aus Liechtenstein, macht aber deutlich, wie wichtig blütenreiche und gut vernetzte Lebensräume sind.
In blütenreichen, extensiv genutzten Wiesen wurden in einem Schweizer Beispiel auf 6 m² 48 Pflanzenarten gefunden - mehr als doppelt so viele als in intensiv bewirtschafteten Wiesen. Hier wurden nur 21 Pflanzenarten gefunden.
Auch für Wildbienen macht die Nutzung einen grossen Unterschied: Eine Schweizer Studie fand in extensiv bewirtschafteten Wiesen im Mittel 46,8 Nester bodennistender Wildbienen, in intensiv bewirtschafteten Wiesen dagegen nur 0,8.
Warum sind Blumenwiesen wichtig?
Blumenwiesen sind mehr als nur ein schöner Bereich im Garten. Sie bieten über viele Wochen hinweg Nahrung für Insekten und Spinnen und bringen mehr Vielfalt in den Siedlungsraum. Viele Insekten finden heute immer weniger passende Lebensräume. Versiegelte Flächen, intensive Pflege und zerschnittene Landschaften machen ihnen das Leben schwer. Eine Blumenwiese kann das nicht allein lösen – aber sie ist ein konkreter Anfang.

Seit Jahren nimmt die Vielfalt und die Biomasse, also die Anzahl Individuen, der Insekten ab. Versiegelte Flächen, zerschnittene Lebensräume und Pflanzenschutzmittel entziehen vielen Arten die Lebensgrundlage. Viele Insekten und Bestäuber sind von dieser Entwicklung mit betroffen, weil blütenreiche, strukturreiche und gut vernetzte Lebensräume seltener werden. Bestäuber wie Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und viele andere Insekten sind jedoch unverzichtbar für funktionierende Ökosysteme und unsere Lebensmittelproduktion.

Eine Blumenwiese schafft nicht nur Blüten, sondern Nahrung über einen langen Zeitraum hinweg. Unterschiedliche Blütenformen versorgen verschiedenste Bestäuber, und die Bandbreite von niedrigen Kräutern bis zu hohen Stauden sorgt für eine vielfältige Struktur.

Schon ein kleines Stück Garten, Vorgarten, Terrassenbeet, Trog oder Wiese kann im Siedlungsraum einen Beitrag leisten und Lebensräume besser miteinander vernetzen, indem sie als Trittsteine für die Verbreitung von Lebewesen dienen.
Wer lebt auf einer Blumenwiese?
Auf einer Blumenwiese ist einiges los: Neben Honigbienen besuchen auch Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen, Schmetterlinge, Käfer sowie verschiedene Fliegen- und Wespenarten die Blüten. Je vielfältiger die Fläche, desto mehr Arten können davon profitieren. Sie finden dort Nahrung und – je nach Gestaltung der Fläche wie offene Bodenstellen, alte Stängel oder Totholz – auch Rückzugs- und Nistmöglichkeiten. So wird eine Blumenwiese zu einem kleinen, aber wertvollen Lebensraum im Siedlungsraum.
Heimische Helden statt invasive Neophyten
Das Projekt «Blumenwiese» steht nicht nur für mehr Blüten, sondern auch für die bewusste Wahl der richtigen Pflanzen. Viele Gartenpflanzen stammen ursprünglich nicht von hier. Manche bleiben unproblematisch. Andere breiten sich stark aus, gelangen in die freie Natur und verdrängen dort einheimische Pflanzen und Tiere. Solche Pflanzen nennt man invasive Neophyten.
Darum setzt das Projekt bewusst auf einheimische Wildblumen. Das ist gleich doppelt sinnvoll: Heimische Pflanzen bieten vielen heimischen Insekten bessere Nahrung – und gleichzeitig sinkt das Risiko, problematische Arten zu fördern. So bleibt das Beet bunt und wird zu einem Trittstein für Biodiversität statt zu einem Ausgangspunkt für invasive Arten.
Warum sind invasive Neophyten problematisch?
Beeinträchtigen Gesundheit
Sie können die Gesundheit von Menschen und Tieren beeinträchtigen wie beispielsweise das Aufrechte Traubenkraut und Riesen-Bärenklau.
Verdrängen einheimische Arten & stören ökologisches Gleichgewicht
Sie können die Biodiversität gefährden, wenn sie sich stark ausbreiten und einheimische Arten verdrängen. Dadurch werden Lebensräume verändert und ökologische Gleichgewichte gestört. Das führt zu einer geringeren Artenvielfalt. Beispiele dafür sind der Sommerflieder und der Götterbaum.
Verursachen Schäden in der Land- und Forstwirtschaft
Sie können in der Land- und Forstwirtschaft Schäden verursachen und zu Ertragseinbussen führen, zum Beispiel durch das Erdmandelgras oder Henrys Geissblatt.
Mindern Grundstückswerte
Sie können belastete Grundstücke im Wert mindern.
Verursachen Schäden bei Infrastruktur
Sie können Infrastruktur und Bauwerke beschädigen, etwa Strassen, Stützmauern oder andere bauliche Anlagen.
Was sollte man bei der Bekämpfung und Entsorgung von invasiven Neophyten beachten?
Invasive Neophyten können sich über Samen, Wurzeln oder kleine Pflanzenteile weiter ausbreiten. Deshalb ist es wichtig, sie nicht nur zu entfernen, sondern auch richtig zu entsorgen. Wer sorgfältig vorgeht, verhindert, dass aus einer gut gemeinten Aktion neue Bestände entstehen. Besonders wichtig sind der richtige Zeitpunkt, sauberes Arbeiten und eine fachgerechte Entsorgung.
Bekämpfung
Ausreissen/Ausgraben mit der Wurzel – Sorgfalt lohnt sich
Vor der Samenbildung
Am besten mit Werkzeug (kleiner Pickel, Berner Unkrautzieher, Unkrautstecher)
Am einfachsten bei feuchtem Boden
Über mehrere Jahre nachkontrollieren, ob man alles erwischt hat
Mähen - nur im Notfall
ist keine Bekämpfungsmethode
Notfallmassnahme bei sehr grossen Beständen, um die Versamung zu verhindern
Entsorgung
Fachgerechte Entsorgung, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern
Wichtig: Nicht auf den eigenen Kompost oder in den normalen Grünabfall!
Bei kleinen Mengen im Restmüll/Kehricht entsorgen
Bei grösseren Mengen sind die Werkhöfe der Gemeinden hierfür die richtigen Anlaufstellen
Transport
nur abgedeckt transportieren. Sonst besteht die Gefahr, dass Pflanzenteile oder Samen unterwegs verloren gehen und weiteren Schaden anrichten
Sei Teil der Lösung! Pflanze deine neue Blumenwiese
Schon kleine Flächen können etwas verändern. Mit einer Blumenwiese, einem naturnahen Balkontrog oder einem einheimisch bepflanzten Beet schaffst du Nahrung und Lebensraum für Bestäuber – und hilfst mit, den Siedlungsraum vielfältiger zu machen.
So verwendest du unsere Samenmischung zum Anlegen deiner Blumenwiese
Die Mischung ist für sonnige bis halbschattige Standorte geeignet und reicht für 1 m².
Anleitung und Samensackzusammensetzung
Hier noch weitere Informationen zum Thema Neophyten
Was kannst du noch tun?
Heimische Pflanzen wählen
Setze im Garten, auf dem Balkon oder im Vorgarten möglichst auf einheimische, standortgerechte Arten.
Neophyten ersetzen
Prüfe, ob in deinem Garten problematische oder ökologisch wenig wertvolle Pflanzen wachsen – und ersetze sie schrittweise.
Strukturen stehen lassen
Alte Stängel, offene Bodenstellen, Totholz oder einheimische Sträucher machen deine Fläche noch wertvoller. Wie man diese am besten anlegt, findest du in der Broschüre "So geht Biodiverstität" der Albert Köchlin Stiftung.
Merkblätter nutzen
Wenn du invasive Arten entfernen willst, helfen dir die offiziellen Merkblätter des Amts für Umwelt weiter.
Was unternimmt Liechtenstein?
Das Amt für Umwelt führt eine Neobiota-Seite mit
einem Geodatenportal, wo man sieht wo es in Liechtenstein Neophyten gibt
So lässt sich rasch erkennen, welche Pflanzen problematisch sind und was man dagegen tun kann.

Im Pflanzgarten des Landesforstbetriebs gibt es eine breite Auswahl an einheimischen Sträuchern als Alternative zu Neophyten.
2018 wurde ein nationales Konzept zur Bekämpfung invasiver Neophyten verabschiedet. Es stützt sich auf drei Ansätze: Erhebung, Information und Bekämpfungsmassnahmen.

Im Jahr 2024 wurden rund 1'500 Neophyten entfernt und 2'100 einheimische, ökologisch wertvolle Sträucher neu eingepflanzt. Im Herbst 2026 wird die nächste Tauschaktion stattfinden.












